Tipps zur Selbsthilfe in schwierigen Momenten

Angst, Streit, Weinen, Einsamkeit – wir helfen Ihnen!

Die besonderen Umstände zwingen uns dazu, viele Regeln einzuhalten und unsere Bewegungsfreiheit ist stark eingeschränkt. Da kann es dem ruhigsten Menschen passieren, dass er oder sie kurz die Kontrolle verliert und „Dampf ablässt“. Diesen Menschen wollen wir Unterstützung bieten. 

Manche unter uns kämpfen auch mit der Einsamkeit, oder gar mit der Trauer um einen geliebten Menschen. Auch Ihnen wollen wir helfen. 

Bevor der Druck allerdings zu viel für Sie oder für Ihre Mitmenschen wird, raten wir Ihnen dringend dazu, professionelle Unterstützung zu suchen: Auf der Seite „Psychosoziale Krisenintervention können Sie gerne eine/n der mehreren hundert BeraterInnen anrufen und sich kostenlos und unbürokratisch Hilfe suchen, um akute Krisensituationen zu meistern. Diese BeraterInnen sind bestens ausgebildet, die Krisenintervention ist kostenlos.
Foto: freepik.com/drobotdean
Falls Ihnen das nicht möglich ist, so haben wir auf dieser Seite noch einige wertvolle Tipps zur Selbsthilfe:

Bitte nützen Sie diese Tipps und geben diese bei Bedarf auch gerne weiter.

5 Tipps für Alleinstehende

„Was soll ich den ganzen Tag allein Zuhause machen?“
Wenn Sie derzeit nicht Ihrer Arbeit und Ihren gewohnten Freizeitbeschäftigungen nachgehen dürfen, kann es sich nach ungewöhnlich viel freier Zeit anfühlen. Instinktiv soll [will) diese genutzt werden. Legen Sie dazu einen individuellen Tagesablauf mit ein bis zwei Tageszielen fest. Dafür eignen sich Arbeiten im Haushalt und Projekte, für die Sie bisher zu wenig Zeit hatten. Eventuell wollen Sie sich mit einem Buch oder Podcast fortbilden. Planen Sie für jeden Tag eine Aktivität, auf die Sie sich freuen!

„Wie kann ich auf andere Gedanken kommen, wenn ich mir Sorgen mache oder ständig herum­.. grüble?“ 
Das Thema Coronavirus und die damit entstandene Krise fesselt offensichtlich unsere gesamte Auf­merksamkeit. Daher kann es hilfreich sein, den eigenen Medienkonsum zu überdenken. Finden Sie heraus, ab wann bestimmte Bilder und Schilderungen zu viel und belastend für Sie sind. Handfeste Tätigkeiten lenken für eine gewisse Zeit vom Grübeln ab. Dabei ist es gleichwertig ob Sie kochen, backen, etwas basteln oder ein Bild malen. Einen Brief zu schreiben und körperliche Bewegung sind ebenso hilfreich, um uf andere Gedanken zu kommen.

„Mit wem kann ich über meine Ängste und Sorgen sprechen?“
Wenn Sie sich einsam oder alleingelassen fühlen, versuchen Sie bestehende Kontakte zu reaktivie­ren. Durchforsten Sie Ihr Adressbuch und treten Sie in Kontakt mittels Telefon, Videotelefonie oder Chat Gespräche im Internet. Sollten Sie bewusst mit jemandem außerhalb des Freundes- oder Fa­milienkreises sprechen möchten, so können Sie sich gerne an eine/n Lebens- und SozialberaterIn Ihres Vertrauens wenden: Holen Sie sich im Krisenfall kostenlose Hilfe bei unseren psychosozialen BeraterInnen.

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Illustration: Diana Hörstlhofer

„Was kann ich tun, wenn es mir zuhause zu eng wird?“
Gehen Sie ins Freie, wenn Sie mobil sind. Manchmal genügt schon ein kurzer Spaziergang um den eigenen „Häuserblock" für ein beruhigendes Gefühl. Der freie Blick in den Himmel, Sonne und Na­tur vermitteln vielen Menschen ein Gefühl, dass das Leben weitergeht. Wer in der Wohnung bleiben muss, öffnet seine Wohnungsfenster und genießt bewusst die Sonnenstrahlen.

„Was, wenn ich krank werde und sich niemand um mich kümmern kann?“
Der Gedanke krank und allein zu sein ist für viele Alleinstehende besonders bedrückend. Erkundigen Sie sich bei Rettungsdiensten und mobilen Pflegediensten in Ihrer Wohnumgebung. Fragen Sie in Ihrer Gemeinde oder im Bezirk nach, wer im Notfall Pflege und Betreuung übernehmen könnte. Eine Notfall-Telefonnummer im Handy eingespeichert zu wissen, gibt Sicherheit und sorgt für Beruhigung.

5 Tipps für Familien

„Ist das jetzt wirklich so wichtig?!"
Probleme innerhalb einer Familie können durch persönliche Schwierigkeiten oder globale Krisen stärker belasten als sonst. Klären Sie für sich, welches Thema sofort geklärt werden muss und wel­ches zeitlich verschoben werden kann. Hier hilft Ihnen vielleicht eine Beurteilung mittels Zahlen von eins bis zehn. Zehn bedeutet höchste Dringlichkeit.

,,Wer macht was, wann, wie, wo, weshalb?“
Eine Tagesstruktur gibt allen Familienmitgliedern Orientierung und Halt. Organisieren Sie in Zu­sammenarbeit mit allen Betroffenen einen passenden Tagesablauf. Beginnend bei den gemeinsa­men Essenszeiten und weiterführend zu den notwendigen Lernzeiten sowie Arbeitszeiten. Ebenso wichtig ist ausreichend Freizeit.

„Zeit für mich. Wie schaffe ich das?“
Selbst Superman und Supergirl können nicht rund um die Uhr aktiv sein. Jeder von uns benötigt täglich eine Auszeit vom Familienleben. AlleinerzieherInnen könnten den Mittagsschlaf oder die Medienzeit des Kindes dafür nützen. Tanken Sie rechtzeitig Kraft und tun Sie sich täglich etwas Gutes, bevor Sie ohne Energie dastehen. Das nützt niemanden in der Familie und könnte Sie krank machen.

„Was soll ich meinen Kindern sagen, wenn sie Angst bekommen?“ 
Das „Zaubermittel“ gegen Angst ist, füreinander da zu sein, zuzuhören und miteinander über alle Sorgen zu sprechen. Kinder benötigen kindgerechte Informationen und das Gefühl mit ihren Ängs­ten und Sorgen ernst genommen zu werden. Zeigen Sie generell Interesse an den Aktivitäten Ihres Kindes im Internet. Stellen Sie offene Fragen darüber, wie Ihr Kind darüber denkt.

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Illustration: Diana Hörstlhofer
„Ich fühle mich überfordert. Was kann ich tun?“
Zögern Sie nicht, sich rechtzeitig Unterstützung und Hilfe zu holen. Spätestens wenn es bereits zu Gewalt innerhalb der Familie gekommen ist. Eine lsolationssituation ist für viele Familien heraus-fordernd und unbekannt. Unterstützung zu holen ist kein Versagen, sondern vielmehr ein Zeichen von Stärke und Vernunft. Holen Sie sich kostenlose Hilfe bei unseren psychosozialen BeraterInnen, oder von anderen Beratungsstellen und Gewalt­schutzzentren. Bei massiver Gewalt rufen Sie bitte den Polizei-Notruf, österreichweit unter Tel.: 133.

5 Tipps für Paare

„Täglich 24 Stunden gemeinsam zu Hause. Wann und wie können wir unsere berufliche und pri­vate Rolle einnehmen?
Home-Office, Home-Schooling, eigenständige Kleinkind-Betreuung sind zurzeit vorgegeben und umzusetzen. Dadurch vermischen sich unsere beruflichen Rollen mit denen des PartnerIn- und Eltern-Seins. Schaffen Sie für sich Klarheit darüber, wann Sie in welcher Rolle sein wollen. Der Partner oder die Partnerin sollte darüber informiert werden, um unnötige Konflikte zu vermeiden.

Zeit für mich alleine. Wie sage ich es meinem/r PartnerIn ohne Kränkung?
Jedes Paar besteht aus zwei eigenständigen, individuellen Menschen, mit unterschiedlichen Inte­ressen und Bedürfnissen. Krisen wie diese, schränken unsere Möglichkeiten diese zu befriedigen ein. Eine Kränkung kann präventiv durch ein klärendes Gespräch mit dem*r Partner*in vermieden werden. Definieren Sie Ihre Bedürfnisse und erarbeiten Sie gemeinsam klar abgegrenzte Zeiten, die jede*r für sich alleine nutzen kann.

Halbe-Halbe im Haushalt oder soll es so bleiben wie es ist?“
Eingespielte Arbeitsaufteilungen im Haushalt könnten, aufgrund der veränderten Anwesenheits­zeiten der Partner, in Frage gestellt werden. Hier kann eine gemeinsame Planung bzw. die Er­stellung einer neuen Aufgabenteilung hilfreich sein. Dadurch können wechselseitige Vorwürfe und Streit, welche häufig aus dem Gefühl der individuellen Überlastung entstehen, vermieden werden.

„Wie können wir eine Beziehung längere Zeit gut aufrechterhalten, wenn wir uns räumlich tren­nen müssen?
In solchen Situationen kann es helfen Rituale oder Symbole aus früheren Zeiten, welche Liebe und Nähe signalisiert haben, wiederzubeleben. Mit unseren Sinnen wahrnehmbare Handlungen, wie z. B. die Verwendung des besonderen Kosenamen von früher, das Riechen an einem vorhanden Kleidungsstück des geliebten Menschen, oder ein Foto [Fotoalbum] ansehen, können helfen Nähe trotz Distanz aufrechtzuhalten.

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Illustration: Diana Hörstlhofer

„Was können wir tun, wenn wir es nicht schaffen unsere Konflikte gewaltfrei zu lösen?“
Wenn Ihre Gefühle von Überforderung, Wut und Aggression oder Gewalt gegenüber dem Partner/der Partnerin ausgelebt werden, wird es auch für die Beziehung gefährlich. Umso wichtiger ist, dass Sie mit Ihrem Problem nicht alleine bleiben. Holen Sie sich kostenlose Hilfe bei unseren psychosozialen BeraterInnen, oder von anderen Beratungsstellen und Gewalt­schutzzentren. Sind Kinder involviert, hilft auch die Kinder- und Jugendhilfe. Bei massiver Gewalt rufen Sie bitte den Polizei-Notruf, österreichweit unter Tel.: 133.

5 Tipps für Angehörige und Trauernde

„Ist das jetzt wirklich so wichtig?!"
Probleme innerhalb einer Familie können durch persönliche Schwierigkeiten oder globale Krisen stärker belasten als sonst. Klären Sie für sich, welches Thema sofort geklärt werden muss und wel­ches zeitlich verschoben werden kann. Hier hilft Ihnen vielleicht eine Beurteilung mittels Zahlen von eins bis zehn. Zehn bedeutet höchste Dringlichkeit.

,,Wer macht was, wann, wie, wo, weshalb?“
Eine Tagesstruktur gibt allen Familienmitgliedern Orientierung und Halt. Organisieren Sie in Zu­sammenarbeit mit allen Betroffenen einen passenden Tagesablauf. Beginnend bei den gemeinsa­men Essenszeiten und weiterführend zu den notwendigen Lernzeiten sowie Arbeitszeiten. Ebenso wichtig ist ausreichend Freizeit.

„Können wir die Trauerfeier nach der Corona Krise nachholen?“
Selbstverständlich können Sie eine würdevolle Trauerfeier für die Zeit nach der Krise planen. Während der aktuellen Krisenzeit und den vorgegebenen Einschränkungen können Sie statt dem gemeinsamen Friedhofsgang eine Gedenkstunde organisieren. Familienmitglieder und Freunde können sich hier mittels einer WhatsApp Konferenz oder anderen technischen Möglichkeiten wie z.B. Zoom, Skype, ... für eine Abschiedsfeier verbinden.

„Wie kann ich Trauernden mein Mitgefühl ausdrücken, wenn Gesten wie Umarmungen oder ein Hände­druck nicht möglich sind?“
Das Sprichwort „Ein Blick sagt mehr als tausend Worte" erinnert uns daran, dass Blickkontakt ei­nes der wirksamsten nonverbalen Signale ist. Durch unseren Blick können wir Kontakt aufnehmen und Mitgefühl ausdrücken. Wir können durch Worte, einen Brief oder durch Symbole wie Blumen oder Kerzen, unsere Anteilnahme bekunden.

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Illustration: Diana Hörstlhofer

„Mit wem kann ich sprechen, wenn ich einen Verlust erlitten habe?“
Es gibt eine Vielzahl an Lebens- und SozialberaterInnen, die Trauerberatung und -Begleitung anbieten. Sie finden mehrere hundert davon auf unserer Seite „Psychosoziale Krisenintervention“, die Ihnen in einer Krisensituation gerne kostenlos zur Seite stehen. Nutzen Sie diese Möglichkeit und sprechen Sie über Ihre Gefühle. Sich mitzuteilen tut oft sehr gut. Jeder Mensch trauert anders und verschieden lang, um einen Verlust zu verarbeiten. Trauer ist ein notwendiger Heilungsprozess für die Seele und sollte unbedingt zugelassen werden. 

Alle Tipps wurden von Martina Lemp und Sascha Hörstlhofer erstellt.